Dimitar Dokuzanov, der beste bulgarische Önologe des Jahres 2018, Chef Önologe des Weinguts Rumelia.
1. Ihre erste Erinnerung an Wein?
Meine Familie stammt aus der historischen Stadt Panagyurishte und respektierte also immer traditionelle Methoden, sowohl bei der Weinherstellung als auch bei der Verarbeitung von Wurst und Leder. Als Kind beobachtete ich zu Hause diese Produktionsverfahren und der Wein konkret ist meine stärkste Erinnerung aus der Kindheit. Mein Großvater machte hausgemachte Weine aus verschiedenen Sorten und war als einer der besten Meister in Panagyurishte bekannt. Natürlich habe ich viele Erinnerungen verbunden mit Wein, aber diese ersten sind in meinem Herzen. Zweite wichtige Erinnerung ist an mein Studium am Gymnasiums in Pasardschik. Damals versuchte ich, das Innere eines 9350 Liter Fasses mit Bürste, Soda und Dampf zu waschen. Ich musste durch ein Loch von ungefähr 25/35 cm kriechen. Heute würde es natürlich nicht mehr möglich sein, aber damals wurde ich von Atanas Popov belehrt. Ich war magerer Student und das Gefühl innen im Fass vergesse ich wirklich nie!
2. Wann verliebten Sie sich in Wein?
Bei der Auswahl von Uni-Studium entschiedete ich mich zwichen Fleisch oder Wein für den Wein? Ich bereute es nicht. Die Arbeit mit Wein ist spannend und voller unerwarteter Wendungen. Meine Liebe zum Wein war also kein konkreter Moment, sondern ein langfristiger natürlicher Prozess. Ich hoffe, ich wählte die "Richtige", weil meine Liebe mit der Auszeichnung des besten Önologen Bulgariens für 2018 belohnt wurde. Und diese Liebe hält an und ist wirklich stark.
3. Können Sie sich an ein bedeutendes privates Ereignis und den damit verbundenen Wein erinnern?
Ich arbeitete im Weingut Logodaž. Während der Lese füllte ich den Fermenter mit 20 Tonnen von Trauben. Als ich am nachsten Morgen kam, war der Fermenter weg, er war einfach nicht da. Die Gravitation zerstörte sein Betonfundament und er lag in einem Winkel von 45 Grad auf einem Nachbargebäude. Wir mussten ihn so liegen lassen und in diesem Zustand verlief alkoholische Gärung. Dies war eine private Veranstaltung für mich, eher unromantisch, aber so ist das mit Wein.
4. Wer ist Ihr persönliches Vorbild?
Ich lernte viel von Ognian Tsvetanov genommen. Er starb leider schon, aber hinterließ deutliche Spuren und ist unvergesslich für die Art und Weise, wie er die Weinproduktion in Bulgarien modernisiert hat.
5. Was ist der beste oder interessanteste Wein, den Sie probierten?
Es gibt keinen einzigen Wein, der mich fesselte. Ich verkoste ständig Weine, sowohl bulgarische als auch ausländische. Bei einer der Weintouren in der Toskana habe ich mich von Produzenten wie Antinori, Frescobaldi und anderen inspirieren lassen. Die Weine im Weingut Bolgheri gefielen mir sehr gut! Weine wie Sassicaia, Ornellaia, Lupicaia sind Klassiker. Ich war am meisten von ihrer Individualität und Energie beeindruckt, die den Charakter der Gegend und der Menschen ausdrückt. Sie sind dauerhaft, elegant und klar, mit der Intervention eines Önologen! Außerdem verliebte ich mich neu in die Weinregion Santorini in Griechenland, konkret Rebsorte Assyrtiko vom Weingut Anhydrous. Ich war wirklich begeistert!
6. Was macht Ihr Weingut anders/einzigartig?
Rumelia Winery wurde 2006 in Panagyurishte mit der Idee gegründet, limitierte Serien hochwertiger Weine für Kenner, Restaurants und Fachgeschäfte herzustellen. Unser Weingut verfügt über eigene Weinberge, die sich im Dorf Smiletc in der thrakischen Ebene befinden. Die ist seit der Antike für ihre Weinbautradition bekannt. Klima- und Bodenfeldanalysen sind die Grundlage für die Auswahl der Rebsetzlinge. Wir verwenden Wetterstationen zur Kontrolle von Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Windgeschwindigkeit, um die Biosynthese in den Weinbergen zu steuern und einen Rohstoff mit optimaler Zusammensetzung und Qualität zu erzielen. Alle Weine werden mit äußerster Sorgfalt und Präzision hergestellt, was viel Geduld erfordert.
7. Wie sehen Sie die Zukunft der bulgarischen Weinherstellung und des Weinbaus?
Dies hängt vollständig von der Führung der Landesregierung und ihrer internationalen und globalen Politik ab. Wir haben Hoffnung, aber noch keine Sicherheit. Ansonsten wächst die Weinkultur der Bulgaren im Allgemeinen ständig, insbesondere in Bezug auf Erfahrungen und neue Methoden der Winzer. Weingutbesitzer sind ebenfalls wichtig, sie müssen Wege finden, diese Industrie zu entwickeln, denn die natürlichen Bedingungen in Bulgarien sind hervorragend und werden sich trotz globaler Erwärmung und Klimawandel nicht so schnell dramatisch ändern. Alles beginnt mit dem Wissen über den Rohstoff und wie man Qualitätsrebe anbaut und setzt mit guten önologischen Verfahren fort. Das Ziel ist ein Qualitätsprodukt – ein ausgezeichneter voller Wein.
8. Erfolgreiche Menschen machen oft Fehler, aus denen sie lernen und weiter machen. Gleichzeitig haben junge Menschen oft Angst, Fehler zu machen. Gibt es einen Fehler, der für Sie wichtig war und Sie dahin brachte, wo Sie jetzt im Weingut sind?
Ich kann mich ehrlich gesagt an keinen so fatalen Fehler erinnern. Ich lerne nach und nach aus kleinen Fehlern. Beim Wein muss man ruhig denken und gleichzeitig gut planen, spüren, was man zu tun hat.
9. Haben Sie ein Lieblingszitat über Wein?
Das Leben wird nicht an der Anzahl der Atemzüge gemessen, sondern an den Momenten, in denen der Atem anhält. Vor allem mit gutem Wein verbunden.
10. Was würden Sie Kunden wünschen, die Ihren Wein mögen?
Ich wünsche allen unseren Weinfreunden wirklich alles Gute, bleiben Sie gesund, erfüllen Sie sich ihre Träume und Ziele! Sei der Wein ein guter Ratgeber nicht nur für Sie, sondern auch für diejenigen, die Ihnen am nächsten stehen! Genießen Sie Wein mit Ihren Freunden. Zum Wohl!